Verfasst von: hugahaga | 29 September 2008

…hmmmm, Dampf gegart!

Die Verfasserin dieser Worte ist ohnehin etwas voreingenommen. Nicht, weil sie aus Langeweile pingelig geworden ist: schlicht die Bewerbungsphase, die sie gerade durchpilgert, Schreibende Zunft als Ziel, lässt sie etwas erstaunt ihr zwiespältiges Umfeld wahrnehmen. Ihre Perspektive hat sich auf die Großen konzentriert. Dort will gelernt sein, was der gerüstete Arbeitsuchende im Ränzlein haben sollte.

Während der Arbeitsmarkt sich freundlich nach unten an die Jüngsten der Gesellschaft wendet, die neben der Wickelgruppe bereits das zweite Praktikum nach schnell durchlaufenem Studium beendet haben, zeigt sich in den oberen Etagen Erschöpfung, wo das Auge nur hinblickt. Oder war es doch der übermüdete Praktikant, der der aktuellen Reklame für lilafarbene Katzennahrung einen Hauer vom Feinsten bescherte? Der hungrige Vierbeiner bekommt nämlich eine besonders neue Leckerei vorgesetzt: Rind und Huhn nun Dampf gegart! Was soll’s. Katzen würden das Zeug auch nur kaufen, nicht lesen…

Wo blickt das gelehrige Auge ansonsten hin?

Besagte Verfasserin hat recht früh- wenn auch deutlich nach der Wickelgruppe- gelernt, wie und vor allem wann der Apostroph zu setzen ist. Zugegeben, es ist ein jung wirkendes, dynamisches Zeichen, das derzeit vor allem eines ist: aufstrebend und vollgepackt mit Arbeitserfahrung.

Er kann im Rahmen eines traurigen Gesichts verwendet werden :’o( . Dadurch ist es möglich, mangels hörbaren Tonfalls einer Email oder Sms, den wohlmeinenden Ausgang eines Gesprächs zu sichern.

In der Orthographie dient er beispielsweise der Kennzeichnung, dass das Wort „es“ verkürzt, aber nicht vergessen wurde- was würde dieses Manko für einen Eindruck in der Bewerbungsmappe machen: Nächstes Mal vergessen wir den Kopf, mein Freundchen, oder wie? Das üben wir aber nochmal…Besen, Besen, seid’s gewesen.

Nun schämt sich die deutsche Sprache bereits seit einiger Zeit ihrer Herkunft, voll boring, und ihres harten, unfortschrittlichen Klanges, wenig cool. Die Englischkenntnisse des naiven Absolventen werden hier bereits im Vorfeld getestet- wird er wohl herausfinden, auf welche Stelle er sich da gerade bewirbt?

Es erstaunt daher nicht, dass neben dem Anteil des Exotischen im grauen Alltagswortschatz auch die Nutzung des kleinen Strichleins ungleich gestiegen ist. In einem schnell gekritzelten Einkaufszettel ist nun ein versehentlicher ‚ schnell verziehen. Meist ist es ohnehin nur eine kurze Stiftprobe am oberen Rand der to-do-list.

In welche Reihen ordnet man jedoch Geschäfte, Firmen, Center ein, die die englische Zeichensetzung ungefiltert in den bestehenden Sprachmix niesen? Es ist Engagement!- der traurige Genitiv wird gefördert, der langweiligste Name mit dem Strichlein aufgepeppt: Heidi’s Blumen sind dadurch noch duftender (am Rande: Andreas‘ Blumen waren schon immer wohlriechend).

In gleicher Weise soll dem verkannten Plural geholfen werden. Hat sich der Kunde an Formen aus dem englischen Sprachraum zu sehr gewöhnt, wird ihm dank neuer Kreationen der Kopf gewaschen-mit sehr modernen Pflege Set’s. Wer schaut da nicht zweimal hin! Der Kenner weiß: nur so wird der Kundenstrom gesichert. Ein Reichtum an Apostrophes steht gleichbedeutend für schmissige Produkte, Flexibilität, Internationalität.

Diese Erkenntnis ist in die Human Ressources Abteilungen jedoch noch nicht vorgedrungen. Ein Bewerbungsschreiben, das diesen unerklärlichen Sprachspaß pflegt, fliegt energisch in die Tonne. -Da müssen wir wohl nochmal üben…und die Abteilung Katzenfutterwerbung schneidet sich bitte eine Scheibe ab.

LaSimona in Hugahaga

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